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Filmexperiment: »Manifesto«

Aus seiner Film-Installation, die im Sommer 2015 im Berliner Hamburger Bahnhof als Ausstellung zu sehen war, hat der Künstler Julian Rosefeldt einen experimentellen Film mit Cate Blanchett in den Hauptrollen gemacht.

»Art does not come from nowhere or anywhere«

Blanchett verkörpert 13 verschiedene Archetypen, die aus verschiedensten Manifesten des 20. Jahrhunderts zitieren. Eine Hommage an verschiedene traditionelle Kunst- und Künstlermanifeste, die sich mit Film, Theater, Performance, Tanz, Architektur beschäftigen und in Form von Monologen, Reden, Vorträgen und Interviews hier thematisiert und rezitiert werden. Regisseur Rosefeldt hat einzelne Texte miteinander kombiniert und fusioniert, jedoch darauf gedacht, dass ihre eigentliche Aussage nicht verfälscht wird. Entstanden sind daraus wunderbare neue Meta-Manifeste. 

»Kunst erfordert Wahrheit, nicht Wahrhaftigkeit«

Zu hören sind u.a. Texte von Marx, Engels, Lars von Trier bis hin zu Jim Jarmusch. Rosefeldt hebt die einzelnen Manifesten aus ihrem kulturhistorischen Hintergrund und schafft es damit, die Schönheit der Texte, die Poetik einzelner Passagen und Gedanken, zu offenbaren und betonen. Manchmal sind es auch nur einzelne Sätze, die in ihrer Feinheit und mit ihrer Anmut eine Schlagkraft entwickeln, die hervorsticht und fasziniert.

»Authenticity is invaluable; originality is non-existent« (Jim Jarmusch)

Dieser Film kommt plakativ und provozierend daher, mit Figuren wie Karikaturen, die weniger von vollständig entwickelten Charakteren haben. Blanchett zeigt sich unvergleichlich wandelbar, in Rollen als Obdachloser, russische Ballettlehrerin, Kuratorin, Fabrikarbeiterin, biedere Mutter, Puppenmacherin, Börsenmaklerin, Wissenschaftlerin, Grundschullehrerin, abgefuckte Musikerin, als Witwe, die einen wütenden Monolog als Grabrede abliefert oder auch Nachrichtensprecherin, die ein Interview mit Korrespondentin Cate (auch Blanchett) hält. Schauspielerische Leistung erster Klasse, langsam aber sicher avanciert Cate Blanchett zur Ausnahmekünstlerin für mich!

»Nothing is original« (Jim Jarmusch)

»Manifesto« ist ein Film, der von seinen Kontrasten lebt, zudem sehr speziell ist, jedoch einen Genuss für Cineasten darstellt, die Lust auf ein anspruchsvolles Kinoerlebnis haben. Ein experimenteller Film von Julian Rosefeldt mit hypnotischen Klängen und eindrucksvollen Beats vom Hamburger Komponisten Nils Frahm.

»It’s not where you take things from, it’s where you take them to« (Jean-Luc Godard) 

 

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