Alle Artikel mit dem Schlagwort: Amerika

Maya Angelou »Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt«

Kriegt wirklich jeder, was er verdient? Maya Angelou ist eine rasend interessante Persönlichkeit: eine Ikone der afroamerikanischen Literatur, Klappentext-Zitate von Obama, Oprah und James Baldwin deuten die Liga an, in der die Autorin spielt. Eine sagenhafte Biografie umgibt Angelou, die von 1928 bis 2014 lebte und Tänzerin, Calypso-Sängerin, alleinerziehende Mutter, Bürgerrechtlerin, Vertraute von Martin Luther King Jr. und Malcom X, Künstlerin, Journalistin und erste schwarze Straßenbahnschaffnerin von San Francisco war. »Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt« erschien erstmals 1969 und kann als Autofiktion betrachtet werden, das Memoire einer schillernden Persönlichkeit, dass Suhrkamp nun in der Übersetzung von Harry Oberländer neu auflegt. Marguerite Johnson, das Mädchen mit den unzähligen Rufnamen, wächst in den 30er Jahren in dem kleinen Krämerladen ihrer Großmutter in den US-Südstaaten, in einem kleinen Ort namens Stamps in Arkansas, auf. Der Laden bildet den Mittelpunkt der schwarzen Community dieses Ortes und liegt in der Nähe der Baumwollplantagen. Mayas bester Freund ist ihr Bruder Bailey und zusammen erleben sie eine Kindheit voll Spiel, Spaß und Abenteuer, auch wenn ihre Welt sich vor toternster …

Provokant: »VOX« von Christina Dalcher

Im Amerika einer nahen Zukunft dürfen Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen, doch eine wird sich trauen, zu kämpfen, ihre Stimme zu erheben und das Gesetz zu brechen. Das Überraschungsdebüt aus den USA von Christina Dalcher ist eine dystopische Warnung, die wütend und nachdenklich macht. »MAKE AMERICA MORAL AGAIN!« (S. 181) Kaum vorstellbar: Die neue Regierung setzt für Frauen ein Limit von lediglich 100 Wörtern am Tag fest, wo man doch durchschnittlich 16.000 Wörter täglich von sich gibt. Mithilfe von Handgelenkszählern werden die Frauen und Mädchen überwacht und bei Überschreitung des Wortkontingents gibt es einen pädagogischen Stromschlag, der mit jedem Verstoß stärker wird. Und das gilt genauso für geschriebene Wörter und nonverbale Kommunikation, eine flächendeckende Kameraüberwachung auch im privaten Bereich soll die Einhaltung dieses steinzeitlichen Gesetzes sicherstellen, außerdem Mauern an den Außengrenzen des Landes. Diese systematische Entmündigung der weiblichen Bevölkerung wird auf alle Lebensbereiche ausgedehnt, so sehen sie sich gezwungen, ihrer Jobs, Konten, Bücher, Handys, Pässe und Laptops zu entsagen, aber auch ihr Wahlrecht und andere Grundrechte werden ihnen genommen. Eine derartige Einschränkung der …

Einer »Von dieser Welt«
– James Baldwin

James Baldwins stark autobiographisch gefärbter Roman erzählt mit unschlagbarer Wortkraft von den inneren und äußeren Auseinandersetzungen eines schwarzen Jungen, der nach seinem Platz in der Gesellschaft sucht, der auf dem Weg Gottes wandelt und ins straucheln gerät, weil es Sexualität versus Glauben heißt. Am Ende steht die Frage: Kann es eine Erlösung durch Gott geben? Wir begleiten John Grimes am Tag seines 14. Geburtstages, an dem er beschließt nicht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Prediger zu werden. John wächst in einer sehr gläubigen Familie auf, die in Harlem lebt. Die Verbundenheit zu Gott ist groß in seiner Familie und auch John ist sehr fromm und gottesfürchtig. Sein Vater Gabriel ist Reverend in der ansässigen Kirche, und so barsch und abweisend wie er sich John gegenüber gibt, so sehr ist zu spüren, dass sein leiblicher Sohn Roy, sein Lieblingssohn ist. Roy säuft, treibt sich nachts mit zwielichtigen Gestalten rum, gerät in Messerstechereien und gibt einen scheiß auf Gott und vor allem auf das, was sein Vater tut und sagt. Während Gabriel mit Roy …

Jesmyn Ward: »Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt«

Singt, über eurer Leid, erzählt von den schlimmen Taten die euch widerfahren sind, damals und heute, singt ihr Gequälten und Gepeinigten, singt vom Gewicht eurer Geschichte, das ihr hinter euch herzieht, singt! Das sind nur einige der vielen Gedanken, die in dem neuen Buch von Jesmyn Ward stecken. »Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt« ist ihr zweiter Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Im Titel klingt bereits die Präsenz von Lebenden als auch Toten an – denjenigen, die geplagt und gequält von ihrem schweren und mühsamen Leben erzählen. Im Originaltitel heißt es: Sing, Unburied, Sing – diese Bezeichnung als Unbegrabene, eben jene, die weit entfernt vom Leben existieren, beschreibt die Protagonisten im Roman treffend. Die aus dem Leben Fortgerissenen, die, die viel Schmerz ertragen müssen und mussten, sei es wegen ihrer Hautfarbe, Drogenabhängigkeit, fehlender Liebe… Von jenen unermüdlichen Qualen erzählt dieses Buch, lässt die Verzweifelten, die Hilflosen zu Wort kommen und erschafft dabei ein außergewöhnlich berührendes Familienporträt.  Erzählt wird die Geschichte einer in den Südstaaten lebenden schwarzen Familie. Der 13-jährige Jojo kümmert sich rührend …