Alle Artikel mit dem Schlagwort: Buch

Ein literarisches Meisterwerk! Berührendes Debüt »Heimkehren« von Yaa Gyasi

Wo liegt deine Heimat, wenn du überall ein Fremder bist? Dargestellt wird Schicksal einer ghanaischen Familie, deren Geschichte über 7 Generationen erzählt wird. Alles beginnt mit den Halbschwestern Effia und Esi, die im 18. Jahrhundert in Ghana aufwachsen. Die Familienverhältnisse könnten unterschiedlicher kaum sein – während Effia als Tochter des Fante-Stammes mit einem weißen Mann verheiratet wird und fortan in der Burg der britischen Kolonie lebt, weiß sie nichts von der Existenz ihrer Schwester Esi, die in ärmlichen Verhältnissen beim Asante-Stamm aufwuchs und gerade im Kerker der Burg gefangen gehalten und bald als Sklavin nach Amerika verkauft werden soll. Dies bildet den Auftakt der großen Erzählung, die nun im Wechsel in Ghana und Amerika spielt. Besonders schön finde ich, dass sich jedes Kapitel auf einen Charakter konzentriert, der dann im Fokus steht. Nach je 2 Kapiteln beginnt eine neue Generation. Die daraus entstandene ungewöhnliche, aber schöne Struktur, wirft den Leser in verschiedene Schicksale, Ereignisse und Lebensabschnitte der Protagonisten. Gyasi schafft es dabei auf bemerkenswerte Weise, die Geschichten der Einzelnen miteinander zu verweben und gleichzeitig jenes …

Warum das #FerranteFever nicht
ansteckend ist: Eine Rezension

Der knapp 450 Seiten schwere Roman »Meine geniale Freundin« von Elena Ferrante ist im Literaturbetrieb eingeschlagen wie eine Bombe und der Auftakt einer vierteiligen Neapel-Saga. Bis Ende 2017 sollen alle Teile in Deutschland erscheinen. Elena Ferrante hat sich als Pseudonym einer anonymen italienischen Autorin entpuppt, hinter dem wahrscheinlich die Literaturübersetzerin Anita Raja steckt. Die Geschichte einer lebenslangen, ungewöhnlichen Frauenfreundschaft Im ersten Roman der Saga wird die Kindheit und frühe Jugend der beiden Freundinnen Elena Greco und Raffaella Cerullo, genannt Lila, erzählt. Die drei Folgeromane werden die Leben der beiden mehr oder weniger chronologisch weitererzählen. Elena ist die Ich-Erzählerin, aus deren Sicht der Leser die Welt der beiden Freundinnen im neapolitanischen Rione mitverfolgt. Eine geniale Freundin? Wir befinden uns im Neapel der 1950er Jahre. Die früheste Jugend der neapolitanischen Kinder, die in der gettoartigen Region des Rione aufwachsen und es nur schwer werden verlassen können, ist geprägt von bitterer Armut und der Gewalt innerhalb und zwischen den alteingesessenen Familien. Außerdem sind die Mädchen den ständigen Gemeinheiten und kleineren Gewalttaten der Jungenbanden ausgesetzt. Doch dominierend für die …

Die Erfindung des Hipsters im Amerika der 40er Jahre: »On the Road«

Ein Buch, das unterwegs gelesen werden muss! Jack Kerouac, einer der Hauptprotagonisten der wilden »Beat-Generation« und Mythos der amerikanischen Literaturgeschichte, schrieb »On the Road« 1951 in nur wenigen Speed-durchzechten Wochen. Dieser kraftvolle und experimentelle Roman war seiner Zeit voraus und galt lange als unpublizierbar und auch, wenn er klar in seiner Entstehungszeit verhaftet ist, bleiben seine zentralen Themen zeitlos und er verliert bis heute nicht im Mindesten an Faszinationskraft. Die »Beat-Generation« auf der Suche nach Heimat, Familie und Gott Erzählt wird die stark autobiografisch geprägte Geschichte des ungewöhnlichen Freundespaars Jack und Neal in den Jahren 1947 bis `49. Die beiden sind Querköpfe, Rastlose, Suchende, Gammler, Schnorrer, Existenzialisten, Romantiker, Künstler. Sie und ihre Gleichgesinnten werden zu den ersten »Hipstern«, einer kritischen, jugendlichen Gegenbewegung zur konservativen und prüden amerikanischen Gesellschaft. In den erzählten drei Jahren führt es die beiden einzeln, gemeinsam und mit Freunden mindestens fünf Mal quer durch die Vereinigten Staaten. Ob sie nun trampen, als Eisenbahnbremser mitreisen, in geklauten und geliehenen Autos davon brausen; immer geht es um das Unterwegssein. Die Straße ist den beiden …

Elena Ferrante
»Die Geschichte eines neuen Namens«

»Die Geschichte eines neuen Namens« ist nach »Meine geniale Freundin« der zweite Band der neapolitanischen Saga um die beiden Freundinnen Elena und Lila. Können angelegte Potenziale nun besser ausgeschöpft und Schwächen ausgebügelt werden? Bei dem neuen, oder besser verlorenen, Namen, auf den der Buchtitel anspielt, handelt es sich um Lilas Nachnamen. Von der kleinen wilden Cerullo darf nach ihrer Hochzeit nichts mehr in Signora Carracci übrigbleiben. Der neue Nachname steht für ihre verlorene Identität und Eigenständigkeit, denn nun soll sie so sein, wie der Unternehmer Stefano Carracci sich seine Frau vorstellt. Als klar wird, dass Stefano hinter dem Rücken seiner Verlobten mit den Solaras in Kontakt stand und Geschäfte mit ihnen gemacht, ja sogar Lilas heiligen Schuhprototypen verkauft hat, kommen in Elena die schlimmsten Flucht- und Gewaltfantasien auf. Ihr Hass auf den Rione und seine eigene Politik aus krummen Geschäften und Verstrickungen schweißt sie zwangsläufig mit Lila zusammen. Eine gemeinsame Flucht aus diesem dunklen Loch ihrer Kindheit ist die einzige richtige Reaktion. Oder? »Ja, ich spürte, dass ich mir das wünschte, ich wollte, dass das …