Alle Artikel mit dem Schlagwort: Coming-of-Age

»ANNA« von Niccolò Ammaniti

Der neue Roman vom Autor des Bestsellers »Ich habe keine Angst« ist ein dystopischer Abenteuerroman, in dem ein düsteres Sizilien von grausamen Kindern und Straßenhunden bevölkert wird. Der Römer Ammaniti führt uns eine Welt ohne Hoffnung und Gnade vor, in der das Altwerden in drastischer Weise mit dem Tod verknüpft ist. Wie wäre die Welt ganz ohne Erwachsene? Eine Welt der Kinder – was nach Utopia klingt, ist hier finsterer Überlebenskampf. Sizilien im Jahr 2020 ist eine verdorrte Aschewüste. Die Gegend ist ausgebrannt, Autowracks, geplünderte Geschäfte und verwüstete Wohnhäuser säumen die Straßen, es gibt keine Elektrizität oder fließendes Wasser, die Lebensmittel gehen zur Neige, die Insel ist von Stacheldraht in Quarantänezonen geteilt und mit unzähligen Leichen und Müll übersät. Die Straßen sind wie ausgestorben, allerdings haben sich äußerst grausame, hierarchisch organisierte Kindergangs gebildet, die die Insel beherrschen. Ammaniti gelingt es eine beängstigende wie bedrückende dichte Atmosphäre zu kreieren, die einen in den Bann zieht. Vier Jahre ist es her, dass die Epidemie ausbrach und alle Erwachsenen an einem belgischen Virus starben. Nach der Zeit der …

Robert Seethaler »Der Trafikant«

Robert Seethaler erzählt in »Der Trafikant« auf sehr zarte und verdichtete Weise von dem jungen Franz Huchel, seiner Liebe zu der Tänzerin Anezka und seiner Freundschaft zu Siegmund Freud im Wien Ende der 1930er Jahre. Ein schmaler wie ehrlicher Bericht aus düsteren Zeiten Mittelpunkt, Keimzelle und pulsierendes Herz dieser Geschichte ist die Trafik von Otto Trsnjek, ein kleiner Zeitungs- und Tabakladen in Wien nahe des Praters und der Wohnung des mittlerweile 80-jährigen Professors Sigmund Freud. Der nicht einmal volljährige Franz Huchel verlässt im Spätsommer 1937 seine beschauliche Heimat, dem Salzkammergut am Attersee in Oberösterreich, um als Trafikanten-Lehrling in der Hauptstadt sein Glück zu suchen.   »Wer nichts weiß, hat keine Sorgen, dachte Franz, aber wenn es schon schwer genug ist, sich das Wissen mühsam anzulernen, so ist es doch noch viel schwerer, wenn nicht sogar praktisch unmöglich, das einmal Gewusste zu vergessen.« (S. 199) Durch das tägliche Zeitunglesen und den kritischen Geist des alten, einbeinigen Trafikanten Otto erlangt der ungebildete Provinzbub immer mehr Wissen, Klugheit und Meinung zum politischen Weltgeschehen und Fragen von Anstand und …

»Hier ist es schön« weiß Annika Scheffel

»Hier ist es schön« ist Annika Scheffels dritter Roman und eine Verheißung auf ein Leben in einer intergalaktischen Anderswelt, die mal unerreichbar mal unentrinnbar erschient. »Das Mars One Projekt war die ursprüngliche Inspiration zu diesem Roman.« (Annika Scheffel) Die Welt ist nicht genug Irma Lewyn ist noch ein Teenager, als sie beschließt eine Heldin zu werden und die apokalyptische Züge tragende Erde inklusive aller Menschen, die bisher ihr Leben bestimmt haben, hinter sich zu lassen. Auf einem weit entfernten Planeten soll sie zusammen mit einem zweiten Auserwählten die Menschheit neu auferstehen lassen und so deren Fortbestand sichern. Denn die Welt hierzulande hat sich bereits in einen lebensfeindlichen Ort verwandelt, in karges, unfruchtbares Land, Verfall und Dunkelheit. Doch das ist es nicht, was Irma forttreibt, sie will das Außergewöhnliche, weit weg von durchschnittlichen Lebensentwürfen, von ganz irdischer Langeweile. Eine zynische, zum Massenspektakel inszenierte Casting-Show, die an Gladiatorenkämpe, an Big Brother auf Leben und Tod, an The Hunger Games erinnert, soll die Auserwählten, die zukünftigen Adam und Eva 2.0, für die gleichermaßen waghalsige wie feige Mission einer …

»Es war einmal Indianerland« (Film) –
Coming-of-Age mal anders?!

»Und das bist du: der Lärm in deinem Kopf.« Mauser ist 17 und kommt aus einem Hochhausviertel am Stadtrand von Hamburg. Sein Leben wird geprägt von unverputzten Brutalismus-Platten-Fassaden, Gewalt, Kriminalität und Konkurrenz unter den Ghetto-Kids. Um dieser Großstadt-Tristesse zu entfliehen, macht Mauser das Boxen zu seiner Welt. Doch alles gerät schließlich aus den Fugen, als er sich auf einer Party im Schwimmbad in die so schöne wie aufregende Jackie verliebt. Doch was seine Welt so richtig zum Einstürzen bringt, ist, als Kondor, sein bester Freund aus dem Viertel, ihm den Krieg erklärt und zum Duell herausfordert – im Boxring selbstverständlich – und dann auch noch Mausers Vater Zöllner verschwindet, nachdem er im Streit seine Freundin erwürgt hat. Die große Suche führt ihn zusammen mit Edda, der sonderbaren Videotheks-Aushilfskraft, auf ein Musikfestival an der polnischen Grenze: Eine ungewöhnliche Kombination aus dem Versuch, seinen kriminellen, flüchtig gewordenen Vater zu stellen und einem großen, mit Glitter kandierten Drogenrausch als Reise auf den Wellen der Elektromusik ins innere Ich. Und schließlich muss Mauser sich entscheiden… »Denn diese Generation ist …

Ein echter Glücksgriff:
»Auerhaus« von Bov Bjerg

Bov Bjerg alias Rolf Böttcher ist ein deutscher Schriftsteller und Kabarettist und mit »Auerhaus« gelingt ihm ein tragikomischer Roman, der unter die Haut geht. Erschienen ist sein zweiter Roman 2017 bei Aufbau Taschenbuch. Was will man mit seinem Leben anfangen und wie stellt man es an, glücklich zu sein? Ende der 80er Jahre gründen sechs Freunde eine WG in einem alten Bauernhaus auf dem Land. Das »Auerhaus« ist zugleich Schauplatz, Trainingszentrum, Begegnungsstätte, Labor und Geburtsort verrückter Ideen, tiefer Gespräche und einer Menge Unfug und Lebensmut. Das Leben im »Auerhaus« soll ein Schonraum sein, ein Refugium, doch die sechs Mitbewohner müssen schneller als ihnen lieb ist feststellen, dass das richtige Leben sich nicht aussperren lässt… Sechs Freunde sollt ihr sein Nach Frieders Selbstmordversuch ist es sein bester Freund, der vornamenlose Höppner Hühnerknecht, aus dessen Sicht die Geschichte auch erzählt ist, der versucht, ihn zu verstehen und wieder glücklich zu machen. Die Idee ist, eine WG aus sechs Freunden zu gründen, die nach Frieders Entlassung aus der Geschlossenen zusammen in dem Haus seines gestorbenen Großvaters auf ihn …

Lasst euch verzaubern: Jan Schomburg »Das Licht und die Geräusche«

Wie stellt man es an, das richtige Leben? Und was spricht gegen das Sterben? Der erste Roman des Filmregisseurs und Drehbuchautors Jan Schomburg (»Über uns das All«, »Vergiss mein Ich«, »Vor der Morgenröte«) ist ein zarter und fragender Blick auf die schwierigen Jahre der Pubertät. »›Und es ist doch komplett albern, dass man so an diesen paar lächerlichen Jahren hängt. Albern! Als würde noch irgendwas Weltbewegendes passieren, bis man dann irgendwann stirbt. Sag doch mal, ganz ehrlich jetzt: Du kannst doch auch nichts sagen, was jetzt wirklich dagegen spricht, außer dass man vielleicht Angst hat davor oder man sich eigentlich ganz wohl fühlt, wie man so lebt.‹« (S. 41) »Das Licht und die Geräusche« ist Johannas Antwort auf die Frage, was eigentlich für das Leben spricht. Johanna ist in ihren allerbesten Freund Boris verliebt. Das glaubt sie zumindest. Dass es dennoch zu keinem Kuss kommt, – und das, obwohl sie doch nur drei Zentimeter von einem entfernt war – liegt wohl an Ana-Clara, Boris‘ Freundin in Portugal. Boris ist neu an Johannas Schule und beeindruckt …