Alle Artikel mit dem Schlagwort: Drama

»Es war einmal Indianerland« (Film) –
Coming-of-Age mal anders?!

»Und das bist du: der Lärm in deinem Kopf.« Mauser ist 17 und kommt aus einem Hochhausviertel am Stadtrand von Hamburg. Sein Leben wird geprägt von unverputzten Brutalismus-Platten-Fassaden, Gewalt, Kriminalität und Konkurrenz unter den Ghetto-Kids. Um dieser Großstadt-Tristesse zu entfliehen, macht Mauser das Boxen zu seiner Welt. Doch alles gerät schließlich aus den Fugen, als er sich auf einer Party im Schwimmbad in die so schöne wie aufregende Jackie verliebt. Doch was seine Welt so richtig zum Einstürzen bringt, ist, als Kondor, sein bester Freund aus dem Viertel, ihm den Krieg erklärt und zum Duell herausfordert – im Boxring selbstverständlich – und dann auch noch Mausers Vater Zöllner verschwindet, nachdem er im Streit seine Freundin erwürgt hat. Die große Suche führt ihn zusammen mit Edda, der sonderbaren Videotheks-Aushilfskraft, auf ein Musikfestival an der polnischen Grenze: Eine ungewöhnliche Kombination aus dem Versuch, seinen kriminellen, flüchtig gewordenen Vater zu stellen und einem großen, mit Glitter kandierten Drogenrausch als Reise auf den Wellen der Elektromusik ins innere Ich. Und schließlich muss Mauser sich entscheiden… »Denn diese Generation ist …

Filmexperiment: »Manifesto«

Aus seiner Film-Installation, die im Sommer 2015 im Berliner Hamburger Bahnhof als Ausstellung zu sehen war, hat der Künstler Julian Rosefeldt einen experimentellen Film mit Cate Blanchett in den Hauptrollen gemacht. »Art does not come from nowhere or anywhere« Blanchett verkörpert 13 verschiedene Archetypen, die aus verschiedensten Manifesten des 20. Jahrhunderts zitieren. Eine Hommage an verschiedene traditionelle Kunst- und Künstlermanifeste, die sich mit Film, Theater, Performance, Tanz, Architektur beschäftigen und in Form von Monologen, Reden, Vorträgen und Interviews hier thematisiert und rezitiert werden. Regisseur Rosefeldt hat einzelne Texte miteinander kombiniert und fusioniert, jedoch darauf gedacht, dass ihre eigentliche Aussage nicht verfälscht wird. Entstanden sind daraus wunderbare neue Meta-Manifeste.  »Kunst erfordert Wahrheit, nicht Wahrhaftigkeit« Zu hören sind u.a. Texte von Marx, Engels, Lars von Trier bis hin zu Jim Jarmusch. Rosefeldt hebt die einzelnen Manifesten aus ihrem kulturhistorischen Hintergrund und schafft es damit, die Schönheit der Texte, die Poetik einzelner Passagen und Gedanken, zu offenbaren und betonen. Manchmal sind es auch nur einzelne Sätze, die in ihrer Feinheit und mit ihrer Anmut eine Schlagkraft entwickeln, die …

Porto (Film) – ein zärtliches Drama

In die Kulisse der portugiesischen Hafenstadt Porto, geprägt von wunderschönen Gässchen mit mysteriösen, ja fast unheimlichen Charme, zeichnet Jim Jarmuch (ausführender Produzent) die Skizze einer Begegnung zweier junger Menschen, die sich gemeinsam in eine leidenschaftliche Affäre stürzen. In langsamen, ruhigen Bildern und mit schönen Klaviersonaten unterlegt, entwickelt sich eine stürmische und innige Beziehung zwischen dem schüchternen und etwas eigenwilligen Jack (Anton Yelchin) und der liebreizenden, aber sich selbst als verrückt bezeichnenden, Mati (Lucie Lucas). Sie kennen einander kaum, sind sich aber doch vertraut und erleben eine intensive und heftige Liebesnacht miteinander. Vielleicht ist es die Nacht ihres Lebens, denn als sie am nächsten Tag aufwachen, ist der schöne gemeinsame Moment vorbei.  Der gemeinsame Augenblick als auch die Blicke, Worte und Gesten der beiden sind intensiv und voller Zärtlichkeit. In sanften Bildern, lösen sich Gefühle los, die so stark wie ein Sturm einher fallen – Begierde, Liebe, Zweifel, Unsicherheit – und verschwinden allmählich in den dunklen Gassen der nächtlichen Stadt. Mit einer beeindruckenden Schlussszene endet der 79-minütige Streifen. Im Bett liegend, sehen sich Mati und Jack an. Gefühlte …

Warum »Moonlight« nicht der beste Film des Jahres ist – eine Filmkritik

Der 2017 mit einem Oscar als »Bester Film« gekürte Film »Moonlight« bewegt die Massen. Barry Jenkins entwirft in diesem Streifen die Lebensgeschichte des Jungen Chiron, die auch seine eigene ist. Der Trailer verspricht ein berührendes Drama über Homosexualität in der afro-amerikanischen Drogenszene. Jedoch scheitert die Umsetzung. Wieso der Film meiner Meinung nach sein Potential nicht vollkommen ausgeschöpft und mich die Umsetzung eher enttäuscht hat, lest ihr hier. (Für mich ist es definitiv nicht der beste Film des Jahres, auf dem Treppchen sehe ich dann doch eher »La La Land«. War die Oscarverwechslung an dieser Stelle vielleicht doch kein so großer Irrtum?)   Inhalt – kurz gesagt i. Little  Chiron ist ein kleiner Junge, der zur Schule geht und von allen nur Little genannt wird. Little ist das Gegenteil von allen anderen Jungen in seinem Alter – sehr ruhig, in sich gekehrt, verschlossen. Kein Wunder, denn er hat mit großen Problemen zu kämpfen. In der Schule muss er sich gegen seine Klassenkameraden verteidigen und zu Hause gegen seine drogensüchtige Mutter, die nur mit sich selbst und …