Alle Artikel mit dem Schlagwort: Graphic Novel

»Das Licht, das Schatten leert« – eine Graphic Novel von Tina Brenneisen

»Es ist hart, ein Leben im Konjunktiv führen zu müssen.« (26) Fritzemann und Tina hatten eine Totgeburt. Lasse hätte ihr erstes Kind mit Ende Dreißig sein sollen, und alles schien in bester Ordnung; die Werte stimmen und das Paar freut sich wahnsinnig auf die Familiengründung. Doch dann bringt ein unentdeckter Schwangerschaftsdiabetes den kleinen Lasse kurz vor der Geburt um. Ein Schock. Kaum zu begreifen und erst recht nicht zu ertragen.     »Einer Paranoikerin wäre das nie passiert.« (86) Besonders Tina fällt es schwer, sich zu vergeben. Sie fühlt sich von ihrem Körper betrogen, schuldig und unwürdig. Hätte man Lasses Tod verhindern können? Hätte sie als Mutter etwas spüren müssen? Auf noch mehr ärztliche Kontrollen bestehen sollen? Auch ohne gläubig zu sein, stellt sich ihr nach einem solchen Trauma die Theodizee-Frage: Warum wir? Welcher Gott lässt das zu? War sie zu emanzipiert und undankbar? Es fällt schwer, ein solches Ereignis nicht als persönliche Bestrafung zu empfinden.   »Niemand hat den Tod gern in seiner Nähe. Uns begleitet er von nun an jeden Tag.« (11) Zunächst …

Julia Bernhard »Wie gut, dass wir
darüber geredet haben«

»Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären.« – Peter Licht, Das Ende der Beschwerde Das vorangestellte Motto fasst gut zusammen, worum es in Julia Bernhards Debüt geht: »all die Leute« setzen der namenlosen Protagonistin und Illustrationsstudentin (»Frollein« genannt) ganz schön zu… Der Comic liefert eine lose Sammlung von kurzen Moment- und Bestandsaufnahmen. Lakonisch erzählte Episoden, alltägliche und aberwitzige Anekdoten aus einem chaotischen Leben und am Ende sitzt das Frollein immer allein auf ihrem Sofa, bis sie schließlich hineinkriecht und eins wird mit diesem besten Begleiter unter den Einrichtungsgegenständen. – Eine Hymne des Schlendrians und der gescheiterten Kommunikation, über die gnadenlosen Kommentator*innen eines Lebens und einen noch gnadenloseren diarrhöischen Mops. »Eigentlich sucht man doch nur jemanden, der nicht aus Mitleid weint, wenn man sich vor ihm auszieht.« (78)   Vom ganz alltäglichen Wahnsinn Julia Bernhard erzählt aus einem Leben, in dem es Allerlei gibt, womit sich eine (Single-) Frau, eine Almostthirty so herumschlagen muss: mit einer Oma, die wissen will, wann es mit der Familiengründung endlich losgeht (»Die Eier werden ja auch nicht …