Alle Artikel mit dem Schlagwort: Klassiker

Wolf Wondratschek zeichnet ein »Selbstbild mit russischem Klavier«

»Suvorin spielte. Er war ein Spieler.« (S. 108) Was nach einem Gemäldetitel klingt und sofort entzückende Assoziationen hervorruft, Farben und Klänge in meinem Kopf entstehen lässt, ist die Geschichte des russischen Pianisten Suvorin. Oder zumindest das, woran er sich davon noch erinnern kann. Der Berufsmusiker, der seinen Lebensabend im Wiener Exil verbringt und schon lange nicht mehr spielt, erzählt einem fremden Zuhörer aus seinem Leben in Moskau und Leningrad, von Widerstand und Verzweiflung, seiner Liebe zur Kunst und dem Wesen der Zeit. »Ein alter Russe in Wien, ein trockener Trinker, ein, wie er sich selbst einmal genannt hatte, trockener Pianist, in Sicht das nicht mehr ferne Ende eines Erdenlebens. Es schien ihn diese Sache aber im Moment nicht zu beschäftigen. Noch war er am Leben, wenn auch nicht mehr ganz im Takt mit ihm, fühlte die Wärme in seine Knochen eindringen und bis in die Füße hinunter in seinen Körper.« (S. 99f.)   Zusammen mit einer Werk-Ausgabe seiner Gedichte erscheint der neue Roman von Kultautor Wolf Wondratschek, der allein schon durch die enorme Vielfalt seines …

Die Erfindung des Hipsters im Amerika der 40er Jahre: »On the Road«

Ein Buch, das unterwegs gelesen werden muss! Jack Kerouac, einer der Hauptprotagonisten der wilden »Beat-Generation« und Mythos der amerikanischen Literaturgeschichte, schrieb »On the Road« 1951 in nur wenigen Speed-durchzechten Wochen. Dieser kraftvolle und experimentelle Roman war seiner Zeit voraus und galt lange als unpublizierbar und auch, wenn er klar in seiner Entstehungszeit verhaftet ist, bleiben seine zentralen Themen zeitlos und er verliert bis heute nicht im Mindesten an Faszinationskraft. Die »Beat-Generation« auf der Suche nach Heimat, Familie und Gott Erzählt wird die stark autobiografisch geprägte Geschichte des ungewöhnlichen Freundespaars Jack und Neal in den Jahren 1947 bis `49. Die beiden sind Querköpfe, Rastlose, Suchende, Gammler, Schnorrer, Existenzialisten, Romantiker, Künstler. Sie und ihre Gleichgesinnten werden zu den ersten »Hipstern«, einer kritischen, jugendlichen Gegenbewegung zur konservativen und prüden amerikanischen Gesellschaft. In den erzählten drei Jahren führt es die beiden einzeln, gemeinsam und mit Freunden mindestens fünf Mal quer durch die Vereinigten Staaten. Ob sie nun trampen, als Eisenbahnbremser mitreisen, in geklauten und geliehenen Autos davon brausen; immer geht es um das Unterwegssein. Die Straße ist den beiden …