Alle Artikel in: Titel

Virginie Despentes »Das Leben des Vernon Subutex 1«

International gefeiert: die provokante Pro-Sex-Feministin und französische Skandalautorin bzw. -filmemacherin von »Baise-moi – Fick mich«, »Apokalypse, Baby« und »King Kong Theorie«. In Frankreich ist ihre Vernon-Subutex-Trilogie bereits ein Riesenbestseller und Filmvorlage. Despentes liefert einen vielstimmigen politischen Gesellschaftsroman, der moderner Gewalt, Elend und Sehnsucht ein Gesicht verleiht – oder besser viele Gesichter. Der Mann mit dem abgespacten Namen Vernon Subutex ist ein insolventer Ex-Plattenladenbesitzer in Paris, ein Anhänger der analogen alten Welt, »Überlebender einer untergegangenen Industrie«. Mit Fünfzig ist für ihn in der heutigen Zeit kein Neuanfang mehr möglich, der Sozialstaat versagt und Vernon ist arbeitslos, pleite und nun auch noch obdachlos. Sein rasanter sozialer Abstieg kommt dem Leser wie Vernon selbst zunächst unwirklich vor. Das Figur gewordene Relikt aus vergangenen Zeiten wollte sich sein Scheitern nicht eingestehen und hat sich so an den Abgrund manövriert. Schaurig und erschreckend zeigt seine Geschichte, wie das Prekariat unbemerkt von allen in einer Parallelgesellschaft lebt. »Im Angesicht der Katastrophe hält sich Vernon an einen Grundsatz: so tun, als ob nichts wäre. Er hat zugesehen, wie alles den Bach runterging, …