Alle Artikel mit dem Schlagwort: bebildert

Moa Romanova erschafft ein »Identikid«

Die Graphic Novel »Identikid« ist Moa Romanovas autobiografisch geprägtes Debüt. Im augenfällig eigenwilligen Look präsentiert sie uns Moa, eine junge schwedische Künstlerin mitten im Leben, umsorgt, sozialisiert, talentiert und doch zerfressen von Panikattacken. Techno = Ecstasy = Psychose = uncool. Mit ihren Freundinnen geht sie auf Techno-Partys, drogenumnebelt lässt sich das Leben feiern. Doch jetzt versucht Moa sich in Abstinenz, straight edge, oder zumindest crooked edge, denn sie vermutet, dass das Spice schuld ist an ihren psychischen Problemen. Das rät ihr auch die Therapeutin. Aber leicht wird das nicht. Lethargisch lässt Moa ihre Wohnung vermüllen, das Geld wird knapp, ereignislose Tage drücken auf das Gemüt, genau wie die Sinnlosigkeit, die sie plötzlich von überall anstarrt. Wegen ihrer Wut- und Angstanfälle ist Moa seit Monaten krankgeschrieben, bekommt Medikamente – nimmt sie widerwillig – und verliert zunehmend die Geduld: Wie lange soll das noch so weitergehen? Was ist mit ihr? Und wann wird es endlich besser? Normalerweise telefoniert sie mit ihrer Mutter, wenn es ganz schlimm ist. Doch neulich hat Moa einen TV-Promi auf Tinder kennengelernt, der …

Büke Schwarz entscheidet sich für »Jein«

»Kunst hat mit Moral nichts zu tun. Kunst hat mit Demokratie nichts zu tun. Kunst ist Kunst!« (208) Die Graphic Novel »Jein« ist Büke Schwarz‘ Debüt, hier erzählt sie von einer jungen deutsch-türkischen Künstlerin in Berlin, die in ihren Gemälden Geschichten erzählen möchte und sich sicher ist, dass ihr Werk nichts zu tun hat mit dem Heimatland ihrer Eltern. Doch das ändert sich mit dem viel diskutierten Verfassungsreferendum am 16. April 2017, bei dem 51 % der Türk*innen für evet, für Ja zu der Präsidentschaftsreform von Erdoğan gestimmt haben und ihm damit die Macht verliehen, Stück für Stück die Demokratie in der Türkei auszuhöhlen.   Die Ausstellung, die zum Gewinn der vier Kunststipendiat*innen zählt, zu denen auch Elâ gehört, trägt ebenfalls den Titel »Jein« und will so die Stellungnahme verweigern, was in der heutigen Zeit einer Provokation gleichkommt. Und trotz dieser Verweigerungsstrategie versteht sich die Protagonistin Elâ hier zum ersten Mal als politische Künstlerin, selbst wenn sie den Begriff an sich problematisch findet. Nicht zuletzt die Medien zwingen sie, sich zu den Entwicklungen in der …

»Das Licht, das Schatten leert« – eine Graphic Novel von Tina Brenneisen

»Es ist hart, ein Leben im Konjunktiv führen zu müssen.« (26) Fritzemann und Tina hatten eine Totgeburt. Lasse hätte ihr erstes Kind mit Ende Dreißig sein sollen, und alles schien in bester Ordnung; die Werte stimmen und das Paar freut sich wahnsinnig auf die Familiengründung. Doch dann bringt ein unentdeckter Schwangerschaftsdiabetes den kleinen Lasse kurz vor der Geburt um. Ein Schock. Kaum zu begreifen und erst recht nicht zu ertragen.     »Einer Paranoikerin wäre das nie passiert.« (86) Besonders Tina fällt es schwer, sich zu vergeben. Sie fühlt sich von ihrem Körper betrogen, schuldig und unwürdig. Hätte man Lasses Tod verhindern können? Hätte sie als Mutter etwas spüren müssen? Auf noch mehr ärztliche Kontrollen bestehen sollen? Auch ohne gläubig zu sein, stellt sich ihr nach einem solchen Trauma die Theodizee-Frage: Warum wir? Welcher Gott lässt das zu? War sie zu emanzipiert und undankbar? Es fällt schwer, ein solches Ereignis nicht als persönliche Bestrafung zu empfinden.   »Niemand hat den Tod gern in seiner Nähe. Uns begleitet er von nun an jeden Tag.« (11) Zunächst …

Julia Bernhard »Wie gut, dass wir
darüber geredet haben«

»Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären.« – Peter Licht, Das Ende der Beschwerde Das vorangestellte Motto fasst gut zusammen, worum es in Julia Bernhards Debüt geht: »all die Leute« setzen der namenlosen Protagonistin und Illustrationsstudentin (»Frollein« genannt) ganz schön zu… Der Comic liefert eine lose Sammlung von kurzen Moment- und Bestandsaufnahmen. Lakonisch erzählte Episoden, alltägliche und aberwitzige Anekdoten aus einem chaotischen Leben und am Ende sitzt das Frollein immer allein auf ihrem Sofa, bis sie schließlich hineinkriecht und eins wird mit diesem besten Begleiter unter den Einrichtungsgegenständen. – Eine Hymne des Schlendrians und der gescheiterten Kommunikation, über die gnadenlosen Kommentator*innen eines Lebens und einen noch gnadenloseren diarrhöischen Mops. »Eigentlich sucht man doch nur jemanden, der nicht aus Mitleid weint, wenn man sich vor ihm auszieht.« (78)   Vom ganz alltäglichen Wahnsinn Julia Bernhard erzählt aus einem Leben, in dem es Allerlei gibt, womit sich eine (Single-) Frau, eine Almostthirty so herumschlagen muss: mit einer Oma, die wissen will, wann es mit der Familiengründung endlich losgeht (»Die Eier werden ja auch nicht …

Little People, Big Dreams: Frida Kahlo

Die Spanierin Isabel Sánchez Vegara steht hinter der Kinderbuchreihe »Little People, Big Dreams«. Die ersten sechs Bände sind nun in deutscher Übersetzung im Insel Verlag erschienen.   Jeweils steht eine starke und inspirierende historische Frauenpersönlichkeit im Fokus, die einem in bezaubernden kurzen Texten und entwaffnend liebevollen, verspielten Zeichnungen näher gebracht wird. Ob Coco Chanel, Marie Curie, Amelia Earhart, Rosa Parks, Anne Frank oder Frida Kahlo – sie alle werden in einem eigenen Stil bebildert und ihr Leben und Streben in ihrer jeweiligen Epoche in wenigen kurzen Sätzen auf den Punkt gebracht. Starke Frauen, die auch klein angefangen haben: mit einem großen Traum. Ein wunderschönes Projekt für Groß und Klein, das uns zum Träumen, Mutig- und Anderssein anhält.   Viva la Vida! Ich habe einen spielerischen Blick auf Frida Kahlos Leben geworfen. Die von Krankheit und Depression gezeichnete, aber auch lebensfrohe, bunte und unkonventionelle mexikanische Malerin an der Seite des 20 Jahre älteren Diego Rivera.   Die sehr unmädchenhafte junge Frida litt an Kinderlähmung, sie war anders als die anderen und das gefiel ihr. Doch seit …