Alle Artikel mit dem Schlagwort: politischer Roman

Lukas Rietzschel »Mit der Faust in die Welt schlagen«

»Ich meine, Sie halten einen wichtigen Roman in der Hand.« (Gunnar Cynybulk, Verleger Ullstein) Der gerade einmal 23-jährige Lukas Rietzschel hat den Roman der Stunde geschrieben: »Mit der Faust in die Welt schlagen« erzählt von der ostsächsischen Provinz, von der Perspektivlosigkeit einer Gegend, der Langeweile und der destruktiven Wut der Jugend und von dem Gefühl, zu kurz zu kommen. Die Milieustudie aus Dunkel-Sachsen beginnt im Millenniumsjahr und kann Erklärungsansätze für Phänomene wie Pegida-Aufmärsche, AfD-Erfolge und Attacken gegen Migranten liefern. Ein Thema, das durch die Vorkommnisse in Chemnitz heute nochmal brennendere Aktualität erhält. Der Roman nimmt die Brüder Philipp und Tobias in den Blick, die in Neschwitz in der Lausitz aufwachsen. Das Kleinstadtleben ist geprägt von der Tristesse aus Steinbruch, Tagebau und Wohnblock. Eine stete Landflucht führt zu Leerstand, Ruinen und Brachflächen. Der Alltag der Kinder in Ostsachsen ist durchdrungen von Langeweile und Unzufriedenheit. Am interessantesten sind die älteren Jugendlichen, die in ihren Autos herumlungern, zusammen Bier trinken und Böller werfen. Als die Ehe der Eltern beginnt zu zerfallen, ist das der Anfang eines umfassenderen Abstiegs. …

»Der Platz an der Sonne« von Christian Torkler

Christian Torklers Romandebut »Der Platz an der Sonne« erweckt ein verblüffendes Gedankenexperiment zum Leben: Was wäre, wenn nicht wir die Privilegierten wären? Kurzerhand verkehrt der Roman die weltpolitischen Zustände ins Gegenteil und schreibt gleich eine komplett neue Historie. Josua Brenner ist 1978 in der Neuen Preußischen Republik geboren und entscheidet sich schweren Herzens aus dem von Korruption zerfressenen, wirtschaftlich und infrastrukturell am Boden liegenden Berlin ins reiche Afrika zu fliehen. Eine entbehrungsreiche und lebensgefährliche Odyssee, an deren Ende die Vertreibung aus dem Paradies steht, ein Mensch verurteilt zu einem Leben in der Illegalität. Diese so simple wie geniale Grundidee zwingt den Leser, die Opferperspektive des Flüchtlings für sich zu übernehmen, und das funktioniert glänzend, ist erschreckend und bringt eine ganz andere Form von Empathie hervor, als Geschichten von arabischen oder afrikanischen Flüchtlingen zu lesen, die sehr viel näher an der aktuellen Wirklichkeit sind. Dieser makabre Kommentar zur immer noch schreibend brisanten Flüchtlingsproblematik, soll nicht nur Mitleid erzeugen. Der Roman führt einem auf großartige Weise vor Augen, dass alles auch umgedreht sein könnte, dass nichts als …